IMTB-Berufsberatung am Louise-Henriette-Gymnasium in Oranienburg
Heute unterhalten wir uns mit unserer Kollegin Tine, die einen ihrer IMTB-Ehrenamtstage in diesem Jahr genutzt hat, um Schülerinnen und Schülern der zehnten und elften Klasse an ihrem ehemaligen Gymnasium von ihrem beruflichen Werdegang zu berichten und ihnen ganz persönliche Tipps zur Berufs-, Ausbildungs- und Studienwahl gegeben hat. Das Louise-Henriette-Gymnasium in Oranienburg, in dem Tine zur Schule gegangen ist, feiert 2024 sein 30jähriges Bestehen und hat zum Feiern auch ehemalige Schülerinnen und Schüler eingeladen.
Wie hat sich das angefühlt, an die Schule zurückzukommen und sozusagen auf der anderen Seite zu stehen? Warst Du aufgeregt?
Na klar. Und was ich festgestellt habe: Wir reden beim Beraten ja jeden Tag mit vielen Menschen und früher auch ganz viel von Angesicht zu Angesicht und nur ein bisschen online. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn du Schülerinnen und Schüler vor dir zu sitzen hast. Wenn du in einem beruflichen Meeting Menschen hast, die nicht mit dir sprechen wollen oder die weniger interessiert sind, tippen sie auf ihrem Rechner rum. Aber Schüler, die fangen einfach an zu schnattern.
Und womit hast Du Ihre Aufmerksamkeit gefesselt?
Ich habe erst einmal ein paar Fotos von früher gezeigt. So hatten sie ein paar Lacher ganz am Anfang, weil da zum Beispiel auch ihre Lehrerin zu sehen war. Aber eben in den 2000ern.
Eigentlich war der Auftrag allerdings von meinem Werdegang von der Schule bis jetzt zu berichten. Also habe ich denen erzählt, wo ich studiert habe. Ich habe von der Generation Praktikum gesprochen und erzählt, dass der Arbeitsmarkt krass anders war, als ich mit dem Studium fertig war, dass man kein Geld gekriegt, aber dafür viel gearbeitet hat. Naja, und das habe ich damals bestimmt anderthalb oder zwei Jahre gemacht. Da haben die mich verständnislos angeguckt … Generation Praktikum?!
Ich habe auch aus der Beratung erzählt. Ich hatte ja zunächst einen Beratungsberuf, bei dem ich sehr viel gereist bin. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das nicht mehr möchte, aber weiter in der Beratung arbeiten will. Ich habe dann diesen Job hier gefunden. Und den finde ich spannend, weil ich merke, dass ich mit unseren Projekten etwas besser machen kann. Ich finde es auch deshalb spannend, weil ich unsere Bundesrepublik ein kleines bisschen besser verstehe, seitdem ich den Job mache.
Anschließend hat die Lehrerin die Schülerinnen und Schüler gefragt, wer denn jetzt schon weiß, wohin die berufliche Reise gehen soll. Da gingen fast zwei Drittel der Arme hoch. Das fand ich gar nicht mal so wenig. Ich wusste das damals nicht.
Wie hattest Du Dich denn damals auf den Berufsweg gemacht?
Ich bin zu meinem Job und zu meinem Studium gekommen, wie die Jungfrau zum Kind und ich habe Glück, dass mir der Job Spaß macht. In der Klasse, die ich beraten habe, war aber zum Beispiel auch ein Pianist, der unbedingt Klavierbauer werden möchte. Der macht das aus Leidenschaft. So ist es bei mir nicht. Das finde ich aber nicht schlimm, denn ich mache meinen Job trotzdem gerne und habe den Anspruch an mich, immer mein Bestes zu geben. Außerdem habe ich bei der IMTB viele nette Leute um mich herum. Und das ist für mich das Wichtigste. Trotzdem habe auch ich manchmal keine Lust auf meinen Job. Aber auch das finde ich ganz normal und deshalb habe ich auch davon erzählt.
Was für Fragen hatten die Schülerinnen und Schüler an Dich?
Nachdem das Eis gebrochen war, wurde ich zum Beispiel nach meiner Abiturnote gefragt. Aber ich wusste es wirklich nicht mehr. Irgendwann ist das nicht mehr wichtig. Und dann hat sie noch interessiert, was ich für Leistungskurse hatte, worin ich das Abitur geschrieben habe und welche Fächer ich abgewählt habe. Und dann saß ich bei einer Bio-Lehrerin und musste sagen: Tut mir leid, ich habe Bio abgewählt.
Die ganze Stunde war sehr nett und besonders die Mädels waren ganz schön auf Zack in der elften Klasse. Also es hat echt Spaß gemacht.
Und wie ging Dein Schultag weiter?
Ich hatte dann erstmal eine Freistunde und habe die Chance genutzt und meinen Deutschlehrer besucht. Er war damals ein Deutschlehrer, wie er im Buche steht. Jetzt unterrichtet er aber nicht mehr nur Deutsch und Englisch, wie früher, sondern auch LER (Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde, d. Red.). Als er hörte, dass ich jetzt eine Freistunde habe, hat er gesagt: „Dann kommst du mit. Machen wir zusammen LER“. Und dann haben wir noch eine Stunde LER zusammen gemacht.
Es ging um die Einzigartigkeit von Menschen. Darum, dass jeder einzigartig ist und etwas Besonderes hat. Die Schülerinnen und Schüler sollten sagen, was an ihnen einzigartig ist. Es war insgesamt ein megacooler Tag.
Du bist am Luise-Henriette-Gymnasium auch im Förderverein, nicht wahr?
Ja. Im Förderverein bin ich allerdings erst seit einem halben Jahr. Ich hatte mir das eigentlich schon vor fünf Jahren vorgenommen, beim 25-jährigen Jubiläum der Schule. Aber es hat dann doch eine Weile gedauert.
Im Förderverein sind viele stille Spender, Alumni und Lehrer. Aus den Beiträgen wird jährlich ein Förderpreis an eine Abiturientin oder einen Abiturienten verliehen, die sich durch besonderes Engagement für die Schule ausgezeichnet haben.
Hattest Du auch unabhängig vom Förderverein Kontakt zur Schule?
Meine Schwipp-Schwiegermama ist Lehrerin dort. Ich hatte immer den Kontakt zur Schule, weil dadurch der Weg kurz war und ich immer wusste, was passiert. Ich treffe mich auch hin und wieder mit meinem Klassenlehrer bzw. Tutor. Das ist sehr toller Mensch, der mir das Leben sehr viel leichter gemacht hat. Er hat es durch sein Lehrerleben hinweg geschafft, Halbstarken wie mir oder auch anderen das Gefühl zu geben, dass er uns für voll nimmt. Das finde ich sehr wertvoll.
Dann war das für Dich ein rundum gelungener Tag und ein schönes Heimkommen?
Ja, es war toll. Wir durften auch noch mal hinter die Kulissen gucken, als keiner da war. Das mochte ich auch. Und die neue Direktorin hat sich sehr wertschätzend bei uns allen bedankt und hat gesagt, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass wir mal einen halben Tag einfach vorbeikommen können.
Danke für das schöne Gespräch, liebe Tine, und toll, dass Du Deiner Schule noch so verbunden bist.